Studentenbewegung im Iran




The Constitutionalist Party of Iran (CPI) Sektion Heidelberg

Die Studentenbewegung hat im Iran eine lange Vorgeschichte. Sie hat sich stets für verbesserte Studienbedingungen, gegen die Zensur der Fachliteratur, für eine Selbstorganisation der Studenten, für gesellschaftliche Freiheiten und eine Demokratisierung der Gesellschaft eingesetzt. In ihrem Kampf gegen die diktatorischen Regime hatte sie viele Opfer zu beklagen. Wann immer im Iran gesellschaftliche Veränderungen in Gang kamen und demokratische Bewegungen, Parteien und fortschrittliche Organisationen die Arena betraten, um mehr Freiheiten einzufordern, standen ihnen die Bewegung der Studentinnen zur Seite. Die iranischen Studentenbewegungen stützten sich in ihren Kämpfen stets auf wissenschaftliche Theorien und waren energische Gegner rückständiger Vorstellungen und mittelalterlicher Sitten. Eine historische und soziologische Untersuchung dieser Bewegungen fördert zutage, dass ihre Mitglieder und Aktiven aus allen Gesellschaftsschichten stammen.
In der Nacht zum Freitag, dem 9. Juli 1999 (18. Tir 1378), trat die Studentenbewegung in eine neue Phase ein. In dieser Nacht kamen rund 200 Studenten der Uni Teheran auf Initiative der Islamischen Vereinigung der Studenten im Studentenwohnviertel zusammen, wo sie über einen Gesetzentwurf diskutierten, der die Presse knebelte und an selbigem Tag vom Islamischen Rat verabschiedet worden war. Während dieser Debatte erfuhren die Studenten von der Schließung der Zeitung "Salam", die nicht mehr erscheinen durfte. Die Zeitung "Salam" war die Haupttribüne des liberalen Flügels und hatte unter den Studenten zahlreiche Anhänger. In der letzten Zeit hatte "Salam" einige große Skandale enthüllt. Deshalb entschlossen sich die Studenten zu einem spontanen Protest. Besagte 200 verließen das Studentenviertel und marschierten zum Polytechnikum der Uni Teheran. In kurzer Zeit war ihre Zahl auf 500 angewachsen. Auf dieser friedlichen Kundgebung riefen sie Parolen wie:
(Pressefreiheit dient der Gesundheit der Gesellschaft, politische Entwicklung ist notwendig für die Gesellschaft.)
(Gedankenfreiheit, für immer, für immer.)
Gegen zwei Uhr morgens beendeten die Studenten ihre friedliche Kundgebung und kehrten in ihre Wohnheime zurück. Unterdessen riegelten Polizeieinheiten zur Niederschlagung von Unruhen die Studentensiedlung ringsum ab. Gegen vier Uhr morgens, als die meisten Studenten schliefen, kam der Befehl zum Angriff. Von allen Seiten regnete ein Kugelhagel auf die Studentenwohnheime. Polizisten zur Aufstandsbekämpfung und Hesbollah-Mitglieder stürmten die Wohnhäuser mit Feuerwaffen, Knüppeln und Messern und droschen erbarmungslos auf die Studenten ein. Viele wurden sogar aus dem Fenster geworfen. In der Folge sprachen allein schon die amtlichen Stellen von 40 Studenten, die Arm- und Beinbrüche erlitten, ein Medizinstudent erblindete.
Der Angriff dauerte bis sieben Uhr morgens. Die genaue Zahl der Todesopfer ist bis heute nicht bekannt. Nach Regierungsangaben wurden jedoch vier Studentinnen getötet, dreihundert verletzt und vierhundert verhaftet.
Um acht Uhr morgens versammelten sich die Studenten im Eingangsbereich des Studentenwohnviertels. Ihre Zahl wuchs rasant an, und sie begannen, Parolen zu skandieren und von der Regierung zu fordern, die Angreifer und die Mörder zu verfolgen und vor Gericht zu stellen. Gegen Mittag begaben sich die Studenten in einem langen Protestzug zum Haupttor der Uni. Vor dem Tor angekommen, sprachen sie das Freitagsgebet. Mittlerweile waren es schon mehrere Tausend. Überall wurden schwarze Fahnen zum Zeichen der Trauer gehisst. Darauf entsandten die Liberalen in der Regierung einige wichtige Vertreter zu den Studenten, um sie zu beschwichtigen. Sie versprachen hoch und heilig, sich um die Untersuchung der Verbrechen, die an den Studenten begangen wurden, zu kümmern.
Dieser Tag endet mit vereinzelten Zusammenstößen zwischen den Hesbollahis und den Studenten. In solchen Situationen war von der Polizei zur Bekämpfung von Unruhen und anderen Polizeieinheiten weit und breit nichts zu sehen.


Narges Rezaei, Neda Aslan, Nima Aslan