FOLTER IN HAFT

Berichten zufolge drangen am 24. November 2008 Gefängniswärter in die Zelle von Farzad Kamangar in der Abteilung 109 des Evin-Gefängisses in Teheran ein, schlugen ihn, drohten ihm mit der Hinrichtung und holten ihn aus der Zelle. Einige persönliche Gegenstände nahmen sie ebenfalls mit. Ein anderer Häftling berichtete, dass er Farzad Kamangar später an diesem Tag offenbar bewusstlos auf der Krankenstation des Gefängnisses sah. Farzad Kamangar soll mittlerweile in seine Zelle zurückgebracht worden sein.
Wenn man im Iran einen Gefangenen aus seiner Zelle holt, signalisiert dies oftmals seine unmittelbar bevorstehende Hinrichtung. Amnesty International ist daher besorgt, dass Farzad Kamangar trotz der laufenden Überprüfung seines Falls in Gefahr schwebt, hingerichtet zu werden.
Farzad Kamangar war zusammen mit Ali Heydariyan und Farhad Vakili etwa im Juli 2006 in Teheran von Angehörigen des Geheimdienstministeriums festgenommen worden. Alle drei sind iranische Kurden. Sie waren am 25. Februar 2008 unter der Anklage mohareb (in Feindschaft zu Gott) zum Tode verurteilt worden. Diese Anklage wird gegen Personen erhoben, die man beschuldigt, den Staat mit Waffengewalt zu bekämpfen und steht offenbar im Zusammenhang mit der vermeintlichen Mitgliedschaft in der bewaffneten Kurdischen Arbeiterpartei (PKK).
Ali Heydariyan und Farhad Vakili wurden zudem wegen Dokumentenfälschung zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Nach iranischem Gesetz müssen sie die Haftstrafe vor der Hinrichtung verbüßen. Die Todesstrafen aller drei Männer wurden vom Obersten Gerichtshof bestätigt. Farzad Kamangars Rechtsanwalt hat aber Rechtsmittel eingelegt, um zu erreichen, dass das Todesurteil aufgehoben wird. Nach iranischen Gesetz können Todesurteile nicht vollstreckt werden, während ein Fall überprüft wird.
Vor seiner Verhandlung wurde Farzad Kamangar ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten, gefoltert und anderweitig misshandelt. Unter anderem wurde er geschlagen, ausgepeitscht und mit Elektroschocks gequält. Infolge der Folterungen haben seine Arme und Beine unkontrolliert zu zittern begonnen. Das Gerichtsverfahren gegen Farzad Kamangar entsprach nicht den Standards für einen fairen Prozess, und er hatte währenddessen nur unzureichenden Kontakt zu seinem Anwalt. Mehrfach und über längere Zeiträume hinweg verwehrte man ihm den Kontakt zu seiner Familie und seinem Anwalt.